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Der Sicherungsschein – das wichtigste Gepäckstück

Ein Sicherungsschein schützt Sie vor der Insolvenz eines Reiseveranstalters. Ihr bezahltes Reisegeld ist mit einem Reisesicherungsschein versichert. Informieren Sie sich hier über die gesetzlichen Rahmenbedingungen, worauf Sie bei der Ausstellung achten sollten und welche Ausnahmen es bei einem Sicherungsschein für Pauschalreisen gibt.

Was ist ein Sicherungsschein?

Die Reise gut absichern

Die Reise gut absichern

Ein Reisesicherungsschein ist eine Vertragsurkunde. Er besagt, dass ein Reiseveranstalter (RV) die ihm anvertrauten Reisegelder bei einer Versicherung oder einem Kreditinstitut abgesichert hat. Der Kunde ist mit diesem Dokument vor der Insolvenz eines RVs geschützt. Der Versicherungsschutz umfasst den gesamten Reisepreis wie Hin- und Rückflug, Hotel und weitere in der Pauschalreise enthaltene Leistungen. Dazu kommen eventuell entstehende Mehrkosten für den Urlauber, die bei einer ungeplanten Rückreise oder dem ungewollten Abbruch der Reise entstehen können. Aus diesem Grund kommt dem Sicherungsschein eine hohe Bedeutung zu: Er ist gleichzusetzen mit anderen offiziellen Dokumenten einer Urlaubsreise wie dem Pass oder Führerschein. Sicherungsscheine werden nur für Pauschalreisen inklusive Last-minute-Reisen ausgestellt. Sie gelten nicht für einzelne Reisebausteine, die Sie zum Beispiel TUI oder Neckermann Reisen ebenfalls buchen können. Eine Ausnahme stellt die Vermittlung von Ferienhäusern dar. Obwohl es sich hier nur um eine Reiseleistung handelt, müssen sich Reiseveranstalter und Reisevermittler gegen Insolvenz versichern.

Warum wurde die Einführung eines Sicherungsscheins notwendig?

In den 1980er Jahren kam es zu zahlreichen Insolvenzen von Reiseveranstaltern. Betroffene Urlauber saßen damals unfreiwillig im Ausland fest und mussten ihre Rückreise selbst bezahlen. Seit 1990 sind daher alle deutschen Pauschalreiseveranstalter laut § 651k BGB gesetzlich verpflichtet, die erhaltenen Kundengelder zu versichern. Der Beleg, der dafür an den Kunden ausgegeben wird, ist der Sicherungsschein. Er ermöglicht es, das Reisegeld für entfallene Reiseleistungen bei einem Reiseabbruch sowie Mehraufwendungen von der Insolvenzversicherung erstattet zu bekommen.

Wann wird ein Sicherungsschein ausgestellt?

Der RV übermittelt den Sicherungsschein für Pauschalreisen dem Kunden zusammen mit der Buchungsbestätigung. Dies geschieht per E-Mail oder auf dem Postweg. Buchen Sie bei einem unserer Partnerportale wie Trivago oder Expedia eine Pauschalreise oder eine Last-minute-Reise, erhalten Sie den Sicherungsschein immer VOR der Zahlung des Reisepreises an den RV. Die Form des Reisesicherungsscheins ist unterschiedlich: Entweder handelt es sich um ein separates Dokument oder er ist Teil der Buchungsbestätigung und befindet sich dort meist auf der Rückseite.

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen beim Sicherungsschein für Pauschalreisen

Impfpass nicht vergessen

Impfpass nicht vergessen

Die EU-Pauschalreiserichtlinien (90/314/EWG, Artikel 7) und der § 651k BGB sichern die Reisenden in vielerlei Hinsicht ab. Die wichtigsten Punkte sind zusammengefasst:

  • Möchten Reiseveranstalter und Reisevermittler Zahlungen vom Kunden erhalten, bevor die Reise beendet ist, muss ein Sicherungsschein übergeben werden.
  • Die Forderungen des Kunden gegen den RV gehen mit dem Reisesicherungsschein auf den Versicherer über. Der Reisevermittler ist vor der Aushändigung des Scheins dazu verpflichtet, dessen Gültigkeit zu überprüfen.

Erstattungsfähig sind im Insolvenzfall laut Gesetz: „1. Der gezahlte Reisepreis, soweit Reiseleistungen infolge Zahlungsunfähigkeit oder Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Reiseveranstalters ausfallen, und 2. notwendige Aufwendungen, die dem Reisenden […] für die Rückreise entstehen.“

Sicherungsschein: Ausnahmen bestätigen die Regel

Nicht immer sind Reiseveranstalter und Reisevermittler verpflichtet, einen Reisesicherungsschein auszugeben. Ausnahmen sind:

  • Gelegenheitsveranstaltungen wie Vereinsfahrten
  • Reisen mit Veranstaltern der öffentlichen Hand wie Klassenfahrten oder Bildungsreisen einer Behörde
  • Kurzreisen wie Kaffeefahrten, die folgende Kriterien erfüllen: Reisedauer weniger als 24 Stunden, keine Übernachtung, Reisekosten weniger als 75 Euro.

Reisesicherungsschein: Darauf sollten Sie achten

Sicherungsschein, damit alles klappt

Sicherungsschein, damit alles klappt

Unseriöse Veranstalter und Vermittler versuchen weiterhin, trotz verpflichtender Gesetzeslage, die Kosten für eine Versicherung zu sparen oder werden wegen mangelnder Bonität von den Versicherern abgewiesen. Daher kann es zur Ausgabe ungültiger Sicherungsscheine kommen. Um sich selbst zu schützen, beachten Sie bitte folgende Punkte, wenn Sie einen Sicherungsschein in den Händen halten:

Das Dokument muss ein Original sein, akzeptieren Sie niemals ein Fax oder eine Kopie. Es dürfen ferner keine Korrekturen oder Streichungen auf dem Schein zu sehen sein. Bekommen Sie die Reiseunterlagen per Post zugeschickt, liegt der Sicherungsschein für Pauschalreisen als eigenständiges Dokument bei, generiert aus einem EDV-Reservierungssystem. Alternativ ist er auf die Rückseite der Reisebestätigung gedruckt. Bei einer Online-Buchung in einem unserer Partnerportale wird er als PDF-Datei im Anhang einer E-Mail übermittelt.

Haben Sie Zweifel an der Echtheit eines Sicherungsscheins, nehmen Sie Kontakt mit dem angegebenen Versicherer auf und fragen nach, ob der Versicherungsschutz tatsächlich besteht.

Buchen Sie nur ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung über einen RV oder einen Reisevermittler, achten Sie darauf, dass Sie auch in diesem Fall einen Sicherungsschein ausgehändigt bekommen.

Fordert Sie ein RV nach Reiseende auf, den Schein zurückzugeben, kommen Sie dem bitte nicht nach. Es besteht die Möglichkeit der gesetzeswidrigen Wiederverwendung.

Was muss auf einem Sicherungsschein für Pauschalreisen stehen?

  • Name und Anschrift des Versicherers,
  • Veranstaltername und Veranstalternummer (beides identisch mit den Angaben auf der Buchungsbestätigung),
  • die Gültigkeitsdauer des Sicherungsscheins, die nicht zeitlich überschritten sein darf,
  • der definierte Versicherungsfall inklusive dessen Art „Zahlungsunfähigkeit“ oder „Insolvenz“,
  • die genaue Nennung der Schäden, die erstattet werden.

Buchen Sie Ihre Traumreise online, kontrollieren Sie beim Erhalt des Sicherungsscheins, ob die genannten Punkte enthalten sind. Führen Sie den Schein immer zusammen mit den Reiseunterlagen bei sich. Werden Sie im Schadensfall aufgefordert ihn vorzuzeigen und haben ihn nicht dabei, kann es passieren, dass Sie sich selbst um Ihre Rückreise kümmern müssen.

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Kommentare
  • Wibbing  12.01.2019

    Es ist mir unverständlich, dass ein eigentlich als seriös bekannter RV wie ALDI SÜD es sich von Tochterunternehmen/Subunternehmern (Eurotours) gefallen lässt, dass diese es versuchen ALDI Kunden mit ungültigen Reisepreissicherungsscheinen über den Tisch zu ziehen.

    Außer der Gefahr von Abmahnungen und strafrechtlichen Konsequenzen ist das doch mit einem erheblichen Imageschaden verbunden.

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